|
|
|
Priesterjahr - Berufen zum Gebet
Gepostet am Dienstag 22 Dezember @ 11:28:25 |
|
 |
 |
Hier einige Gedanken von Domkapitular Dr. Bertram Meier zum Priesterjahr:
"Gebetssturm um geistliche Berufe füllt leer stehendes Priesterseminar", so und ähnlich lauteten gut zehn Jahren Schlagzeilen aus der Kirchenpresse, als nach langer Flaute in einer Diözese eine Gegenbewegung einsetzte und über Jahre hinweg wieder acht bis zehn junge Männer zu Priestern geweiht werden konnten. Gemeint war eine Gebetsinitiative um Berufungen im holländischen Bistum s’Hertogenbosch. Ist hier inmitten der geistlichen Krisenlandschaft der Kirche in Europa ein Wunder geschehen? Eine Sensation gegen den allgemeinen Trend des Nachwuchsmangels in Seminarien und Ordenshäusern? Was hat es auf sich mit diesem besonderen "Landeplatz des Heiligen Geistes"?
Blenden wir zurück! Seit der gesellschaftlichen Liberalisierung, die Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts (68ger Generation) einsetze, war es gerade in Holland zu enormen Einbrüchen im kirchlichen Leben gekommen. Für nur noch wenige Theologiestudenten mit dem Berufsziel Priester wurde seitdem auch keine eigene Seminarausbildung zu deren menschlicher Reifung und geistlicher Formung mehr angeboten. Erst der Bischof von s’Hertogenbosch eröffnete 1986 wieder ein neues Priesterseminar. Doch damit nicht genug! Als "flankierende Maßnahme" setzte er noch einen weiteren Akzent: die tägliche Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten um geistliche Berufe. Ihr Ort ist die Seminarkirche – etwa 100 Meter vom Dom entfernt. Nicht nur Priesterseminaristen kommen (freiwillig!) zum Beten, die Kirchentüren stehen täglich von 16 bis 18 Uhr für alle Gläubigen offen. Wie ich höre, umfasst der Gebetskreis mehrere Tausend Mitglieder. Die meisten beten zu Hause. Einige haben sich zu festen Gebetszeiten in der Seminarkirche verpflichtet, damit immer jemand einfach da ist vor dem Herrn, auch während der Ferien. Der dortige Bischof brachte den Sinn seiner Initiative auf den Punkt: "Wir wollten mit dem strukturellen Neubeginn in der Priesterausbildung zugleich einen spirituellen Neubeginn für die ganze Diözese setzen".
Das Gebet als "Notenschlüssel"
Einen besonderen spirituellen Akzent hat unser Heiliger Vater mit dem "Jahr des Priesters" gesetzt. Bei dieser Initiative geht es nicht um Aktionismus, sondern um die Wertschätzung des priesterlichen Dienstes, das Miteinander von Priestern und Laien und nicht zuletzt um die Stärkung der engen Bande eines diözesanen Presbyteriums: Der Bischof und die Priester sind nicht nur theologisch und rechtlich eng verbunden, sie ziehen gemeinsam an einem Strang. Viele Gemeinden und Orden, geistliche Gemeinschaften und Kreise haben das Anliegen des Papstes aufgegriffen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Gebet zu: Gerade die Mitglieder des Päpstlichen Werks für geistliche Berufe (PWB) knüpfen in der ganzen Diözese ein Netz des Gebetes. Sie liegen Gott im Ohr, wenn sie für die Priester beten und nicht mit müde werden, ihn mit dem Anliegen zu bestürmen, dass wieder mehr junge Männer der besonderen Berufung zum Priestertum folgen. Die Bedeutung des Gebetes lässt sich in ein schönes Bild kleiden: Wie ein Notenschlüssel zur "Symphonie der Berufungen" ist das Gebet. Berufungen sind nicht menschliches Werk, sondern Geschenk von Gott. Damit sie geweckt werden, müssen wir auf die Kraft des Gebetes setzen. Ist das nicht eine Binsenweisheit?
Die Kultur des Gebetes
Leider wird Selbstverständliches oft übersehen. Ich habe den Eindruck, dass wir auch in der Berufungspastoral manchmal zu viel organisieren und managen. Doch Berufungen können wir nicht machen. Sonst hätte McKinsey auch schon in der Berufungspastoral Einzug gehalten! Was tun, wo nichts zu "machen" ist? Beten! Freilich wäre es ein Kurzschluss, wollte man einen Ursache-Wirkung-Zusammenhang herstellen nach dem Motto: "Je mehr Gebete zum Himmel steigen, desto zahlreicher werden die geistlichen Berufungen". Solche Rechenspiele sind fehl am Platz. Die Kultur des Gebetes wächst nicht nach den Regeln der Mathematik. Berufungen sind Geschenke des Himmels. Doch was vom Himmel kommt, wächst meistens aus der Erde, d.h. durch unser menschliches Zutun. So ist das treue und ehrliche Gebet um Berufungen die atmosphärische Innenseite aller übrigen, nach außen geklappten Aktionen. Das Gebet ist ein Testfall dessen, was wir Gottes Geist wirklich zutrauen.
Gegen das Floriansprinzip
Doch Hand aufs Herz: Wie beten wir? Ist das Gebet um geistliche Berufe eine Formel, die hin und wieder in den Fürbitten auftaucht, oder fließt auch Herzblut ein? Die Bitte um Priester- und Ordensberufe gehört in den Grundwortschatz unseres Gebetslebens. Sie zählt zu den Anliegen, die uns Jesus neben den Vater-Unser-Bitten und dem Wunsch nach Einheit persönlich empfiehlt: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Lk 10,2). Außerdem sollte das Gebet um geistliche Berufe nicht nach dem Floriansprinzip verrichtet werden: "Verschon mein Haus, zünd andre an!". Wie reagiere ich (als Vater oder Mutter, als Freund, als Priester oder Ordenschrist), wenn ein junger Mensch den Wunsch äußert, in die besondere Nachfolge zu treten?
Für eine Infrastruktur des Gebetes
In Holland ist ein junger Keim zum Sprießen gekommen. Bei uns in Deutschland haben wir schon eine gute Tradition: Seit mehr als 70 Jahren gibt es den monatlichen Gebetstag um geistliche Berufe. Diese Pflanze wurde einst im rauen Klima des Nationalsozialismus vom Salvatorianer Pater Paschalis Schmid SDS – übrigens aus dem Bistum Augsburg, aus Scheffau im Allgäu gebürtig - zusammen mit dem seligen Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg in einen damals dornigen, kirchenfeindlichen Boden gepflanzt. Heute ist daraus ein stattlicher Baum geworden. An uns liegt es, dass er nicht morsch wird. Es ist sicher im Sinn von Pater Paschalis, seinen Baum in doppelter Weise wieder zum Blühen zu bringen:
- mit einer neuen "Infrastruktur" des Gebetes, d.h. durch Gebetsgruppen auf Pfarrebene, die "Vorbeter" und "Vorbeterinnen" brauchen. Gerade in Gemeinden, wo während der Woche keine hl. Messe mehr gefeiert werden kann, könnte allein schon dieser seelsorgliche Notstand Ansporn für die Gründung solcher Gebetsgruppen sein. Das Päpstliche Werk für geistliche Berufe (PWB) unter der bewährten Leitung unseres ehemaligen Kolpingpräses Pfarrer Josef Hosp gibt gern Tipps, wie eine Gebetsgruppe in die Gänge kommen kann. Außerdem kann er hilfreiche Materialien für gute Gebete zuschicken.
- mit sog. "Pfarrei-Berufungs-Teams", die in den Gemeinden das Thema "Berufung" im Auge behalten und begleiten. Eine Pfarrei ist nicht schon dann lebendig, wenn sich von der Krabbelgruppe bis zur Seniorengymnastik möglichst viel rührt, sondern wenn möglichst viele vom Geist Gottes bewegt werden, d.h. ihre Berufung und ihren Platz entdecken und ausfüllen! Im nächsten Jahr stehen Pfarrgemeinderatswahlen an. Wie wäre es mit der Gründung eines Sachausschusses zum Thema Berufung? Die Diözesanstelle "Berufe der Kirche" mit Pfarrer Bernhard Waltner steht dafür mit Rat und Tat zur Seite.
Sowohl Pfarrer Hosp (PWB) als auch Pfarrer Waltner (Berufe der Kirche) sind anzutreffen über Peutinger Str. 5, 86152 Augsburg, tel. 0821 / 3166-684 bzw. 687.
|
|
|
|
 |
TOPAKTUELL |
Unser brandneues Halbjahresprogramm 02/2010 ist online!
 Laden Sie es sich als PDF-Datei (Acrobat Reader) hier kostenlos herunter!
Gebetsabend mit Pfr. Bernhard Waltner in Speiden, Maria Hilf am 04.09.2010. Beginn: 19.00 Uhr
Gesprächskreis für Interessenten am Priesterberuf Info und Anmeldung bei Pfr. Bernhard Waltner
|
|
|
 |
externe Links |
|
|
|
|
|